Journalismus funktioniert durch Interviews. Das Zitat, das eine Geschichte verankert, die Bestätigung einer Tatsache, die spontane Bemerkung, die zur Schlagzeile wird — all das entsteht in einem Gespräch. Was mit diesem Gespräch danach passiert, bestimmt, ob die Geschichte korrekt ist und ob die Quelle fair wiedergegeben wurde.

Das Genauigkeitsproblem

Die Notizen eines Journalisten sind eine Komprimierung eines Gesprächs. Unter Termindruck werden diese Notizen zum maßgeblichen Dokument — und die Lücke zwischen dem, was eine Quelle sagte, und dem, was gedruckt wird, ist der Ausgangspunkt von Streitigkeiten. Ein falsches Zitat ist selten absichtlich; es ist meist das Produkt von schnell geschriebenen Notizen und der natürlichen Tendenz, die Zögerlichkeiten zu glätten, die gesprochene Sprache von Prosa unterscheiden.

Ein wörtliches Protokoll schließt diese Lücke. Der Journalist, der sein geschriebenes Zitat vor der Veröffentlichung mit einer vollständigen Audioaufnahme vergleichen kann, muss nie eine Korrektur herausgeben, weil eine Quelle sagt: "Das habe ich nicht gesagt."

Die rechtliche und professionelle Dimension

Über Genauigkeit hinaus ist eine vollständige Transkription der wichtigste Schutz eines Journalisten, wenn eine Quelle später bestreitet, was sie gesagt hat. Verleumdungsklagen und Beschwerden bei Presseaufsichtsbehörden profitieren von einem Dokument, das genau beweist, was wann und in welchem Kontext gesagt wurde.

Das Workflow-Argument

Transkription verändert auch den Redaktionsprozess: Ein Journalist, der mit einer vollständigen Transkription arbeitet, kann nach bestimmten Wörtern suchen, ohne stundenlange Audioaufnahmen erneut anzuhören, Zitate präzise entnehmen und Wochen später für eine Folgegeschichte auf das Interview zurückgreifen, ohne die Details zu verlieren, die die Zeit aus dem Gedächtnis löscht.

Praktische Überlegungen

Offenlegung. In den meisten Rechtssystemen muss mindestens eine Partei der Aufzeichnung zustimmen. Journalistische Ethik erfordert in der Regel, Quellen zu informieren.

Überprüfung. Automatische Transkriptionstools liefern sehr genaue Ergebnisse, aber die Überprüfung ist wichtig — besonders für Namen und Fachbegriffe.

Aufbewahrung. Aufnahmen und Transkriptionen sind Teil des Quellenmaterials eines Journalisten und sollten konsequent aufbewahrt werden.

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